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Internetpiraterie hat die Popkomm verhindert oder: Das kommt davon, wenn man mit dem Portemonnaie denkt.
Geschrieben am 22. Juni 2009 2 KommentareAm vergangenen Freitag wurde die diesjährige Popkomm abgesagt. Messegründer und Vorsitzender des Verbandes der Musikindustrie Dieter Gorny nennt als Begründung: “Die digitale Krise schlägt voll auf die Musikwirtschaft durch. Viele Unternehmen können es sich wegen des Diebstahls im Internet nicht mehr leisten, an der Popkomm teilzunehmen.“. Gleichzeitig stellt er die Absage der Popkomm auch als Signal an die Politik dar, auf die doch nun wirklich unübersehbare Krise der Musikwirtschaft bitteschön endlich mit klaren Maßnahmen gegen die Internetpiraten zu reagieren. Weil das alles so schlimm ist, muss vielleicht das Messekonzept ganz überdacht werden… Jetzt stelle ich mir drei Fragen:
- 1. Wofür genau braucht die Musikwirtschaft im digitalen Zeitalter, in dem viele Labels bereits neue Musik gar nicht mehr physisch veröffentlichen, eigentlich so etwas wie eine Messe?
- 2. Wenn die Beteiligung an der Popkomm sowohl bei Standbuchungen als auch Fachbesuchern seit Jahren kontinuierlich nachgelassen hat, weil die Musikwirtschaft ja wegen der Internetpiraterie kein Geld mehr verdient, wie erklärt sich der stetig steigende Erfolg z.B. der c/o pop?
- 3. Wieso soll sich irgendein Politiker für eine ausgefallene Fachmesse interessieren, die seit Jahren beständig an Bedeutung verliert?
Natürlich sind diese Fragen rhetorisch und ja, ich formuliere hämisch. Angesichts der Dreistigkeit der oben zitierten Aussagen kann ich einfach nicht anders. Die von dem Verband der Musikindustrie vertretenen Major-Labels weigern sich nun seit über zehn Jahren mit geradezu Kohlschem Stoizismus, die Realität des Internets und die daraus resultierenden Veränderungen für ihre Geschäftsmodelle zu akzeptieren. Sie verlangen ob der „digitalen Krise“ nach Maßnahmen der Politik, da sie nicht mehr so viel verdienen wie früher. Das ist etwa so, als wenn die Autoindustrie nach Gesetzen gegen sich veränderndes Nutzungsverhalten durch die Kraftfahrer verlangen würde, um weiter veraltete Motorenkonzepte mit hohen Renditen verkaufen zu können, anstatt neue Fahrzeuge zu entwickeln, die den neuen Marktanforderungen entsprechen.
Selbstverständlich kann sich die Musikwirtschaft keine repräsentativen Messestände und Selbstbeweihräucherungspartys wie in den letzten Jahren im Umfeld der Popkomm gesehen mehr leisten, da die CD Verkäufe seit Jahren rückläufig sind. Folgerichtig wird auf neue Branchentreffs wie die c/o pop ausgewichen, die das bieten, was gebraucht wird: Räume zum Netzwerken, Treffpunkte, kurze Wege, preiswerte Teilnahme, interessante Themen. Ironischerweise wurde diese erst in Reaktion auf den Wegzug der Popkomm in Köln aufgewertet. Interessant ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch der Einwurf von Marek Lieberberg, dass die Popkomm sich zu sehr auf die Tonträgerindustrie eingeengt hätte, anstatt alle Beteiligten – also auch TV, Radio, Verlage und Konzertveranstalter – zusammen zu bringen.
Die Popkomm hat schlicht zu lange an einem veralteten Konzept festgehalten. In der Folge sind die Einnahmen kontinuierlich gesunken, was auch zur Verdrängung vom Messegelände Berlin führte. Auch am neuen Standort Kreuzberg konnte kein überzeugendes Konzept vorgelegt werden, das die anvisierten Zielgruppen zur Buchung bewegt hätte. Erschwerend wird hinzukommen, dass im Zuge der Wirtschaftskrise das Sponsoring durch branchenfremde Unternehmen zurück geht. Mit Internetpiraterie im Speziellen oder dem drohenden Untergang des Abendlandes im Zuge der digitalen Evolution im Allgemeinen hängt das alles nur höchst entfernt zusammen.
Es ist die Musikwirtschaft selbst, die es bisher noch nicht geschafft hat, tragfähige Geschäftsmodelle für das digitale Zeitalter zu entwickeln. Ja, die Verbreitungswege von Musik und das Nutzungsverhalten haben sich drastisch verändert. Viele Labels und Bands nehmen diese Herausforderung kreativ an, wir stellen in diesem Blog immer wieder Beispiele vor. Es bleibt zu hoffen, dass Herr Gorny und die von ihm vertretenen Major-Label endlich das Hirn aus dem Portemonnaie nehmen und es wieder benutzen, um innovative und konstruktive Beiträge zu liefern. Sonst droht neben der am Freitag bereits eingetretenen Lächerlichkeit in Zukunft die Bedeutungslosigkeit. Uns als Agentur ist das egal, wir kommen auch mit den sich derzeit neu bildenden Strukturen zurecht.
2 Antworten zu “Internetpiraterie hat die Popkomm verhindert oder: Das kommt davon, wenn man mit dem Portemonnaie denkt.”
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guter Artikel, ich habe auch mal was zur popkomm geschrieben (http://www.nerotunes.com/2009/06/popkomm-achkomm-unkomm-es-geht-ein-ruck-durch-das-musikland/) .. meiner Meinung nach sollte man sie abschaffen und etwas neues auf die Beine stellen
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Falkone 25. Juni 2009 um 00:25
Die Dinosaurier sterben aus…..
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