Eine überraschende Wende nimmt derzeit die Geschichte der Filesharing Plattform Pirate Bay, die bislang von der Musikindustrie stark unter Druck gesetzt wurde (siehe auch hier). Die bisher zumeist illegal operierende Filesharing Plattform wird anscheinend an das schwedische Unternehmen Global Gaming Factory verkauft, das gleichzeitig auch eine Software-Schmiede gekauft hat. GGF ist nach eigenen Angaben ein weltweit führende Anbieter von Werbe- und Softwaredienstleistungen für Internetcafés und Gaming-Events. Ziel ist es offensichtlich, aus der Pirate Bay Plattform ein legales Angebot zu entwickeln, aus dem heraus auch die Rechteinhaber an den Umsätzen beteiligt werden. Interessant ist der Kaufpreis von ca. 5,5 Mio Euro, der im allgemeinen als sehr niedrig eingeschätzt wird. Die bisherigen Pirate Bay Betreiber sagen dazu, dass sie die Seite unter Preis verkaufen, da mit der GGF “die richtigen Leute mit der richtigen Einstellung und den notwendigen Ressourcen die Seite weiterbetreiben”. Der Verkaufserlös soll in eine Stiftung einfließen, die sich für freie Meinungsäußerung, Informationsfreiheit, Netzneutralität und die Offenheit des Internets kümmere. Völlig unklar ist derzeit, wie sich dies auf die laufenden Prozesse gegen Pirate Bay auswirkt.
Quellen: Spreeblick, netzwertig

Zum Wochenende noch der Hinweis auf einen sehr guten Artikel von Prof. Mag. Dr. Peter Tschmuck aus Wien, der fundiert und informiert aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht einen Blick auf die aktuelle Diskussion zum Thema Umsatzrückgang in der Musikindustrie wirft. Er belegt recht schlüssig die These, dass sich Filesharing als Ursache für den Rückgang der Umsätze in der Musikindustrie nicht mit den empirisch ermittelbaren Zahlen belegen lässt. Vielmehr handele es sich um einen Umbruch im Nutzungs- und Kaufverhalten, bei dem Filesharing eine Begleiterscheinung sei. Wesentlicher sei die Entwicklung des Einzeltrackdownloades an sich, der das Album als Produkt angreife. Der Musikmarkt wandele sich zurück zu einem Single-Track Markt, was die bisherigen Vermarktungslogiken allerdings über den Haufen werfe.



